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Collagen

COLLAGEN

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Mit dreizehn beschloß ich, Künstler zu werden, und machte surrealistische Collagen. Und schon bald verkaufte ich zwei dieser Collagen an meine Lehrerin für Erdkunde und Geschichte am Gymnasium. So ist die Collage für mich auch mit Erinnerungen an meine ersten Erfolge verbunden.

Die Collage ist eine wunderbare Technik, durch die man Dinge miteinander verbinden kann, die sonst als getrennt erscheinen. Vielleicht bilden sich dabei nicht nur neue Gedanken, Ideen, Gefühlswelten und Assoziationen sondern auch neue Verbindungen im Nervengewebe des Gehirns? Könnte sein! Wer weiß? Jedenfalls macht es mir großes Vergnügen, zu collagieren.

Meine heutigen Collagen haben die unüberschaubare Vielfalt an Bildern und Informationen der globalen Wirklichkeit, in der wir Alle leben, zum Thema. Es geht mir weniger um die einzelnen Inhalte der Bilder und Informationen, die tagtäglich rund um den Globus auf jeden von uns einwirken. Sondern es geht mir um die Bilder- und Informationsflut an sich, und die Frage, wie wir damit umgehen können. Wir werden mit einer Situation konfrontiert, die unsere Fähigkeiten enorm heraus fordert. Es geht mir nicht um die äußeren, sondern vor allem um die inneren, geistigen Aspekte dieser Situation.

 

 

Stellen Sie sich einmal vor, es gäbe keine Telefone, kein Internet, weder Fernsehen, noch Radio, noch Fax oder Funk, keine Satelliten, Raketen, Flugzeuge, Schiffe, Eisenbahnen und Autos. Sie sind von allem getrennt, was Sie nicht zu Fuß erreichen können. Aber sie sind so extrem telephathisch begabt, daß sie zu jedem Zeitpunkt fast alles hören und sehen können, was sich an allen anderen Orten auf dem Globus abspielt. Wenn Sie sich das vorstellen, haben sie die transzendenten, geistigen und seelischen Aspekte der Situation erfaßt.

Was machen wir jetzt mit unserer Fähigkeit? Die „Reizüberflutung“ ist da. Wir können uns ihr nicht entziehen. Aber man kann auf die enorme Vielfalt der Bilder und Informationen ganz unterschiedlich reagieren. Man kann angesichts der Unüberschaubarkeit resignieren. Man kann in der Bilderflut untergehen. Man „schaltet einfach ab“. Man stumpft ab und rettet sich nach dem Motto „Blöd is beautifull“ in eine Bilderwelt, die aus idiotischen Banalitäten besteht. Oder man setzt der unüberschaubaren Vielfalt etwas ganz Einfaches, Abstraktes, Geistiges, Radikales oder ganz Persönliches entgegen. Man bezieht eine Gegenposition und erzeugt genau das, was in der Situation fehlt. Mir scheint, viele Künstler tun genau das.

 

 

Ich gehe alchemistisch vor. Ich will aus dem „Gift“ der Reizüberflutung ein Elixier herstellen. Ich nehme also das „ganze Zeug“, Verpackungen, Prospekte, Magazine, Zeitschriften, Zeitungen, Warenhauskataloge, Fernsehprogramme und Werbung, verwende auch eigene Bilder, und wandle die Bilder um. Ich treffe eine Wahl, schneide oder reiße Alle möglichen Bildteile aus, und füge diese enorme Vielfalt an Farben, Formen, Inhalten und Informationen so zusammen, daß das Ganze für mein Empfinden letztlich wieder „stimmt”.

Dinge in Beziehung zu setzen, bedeutet zu komponieren. Ich nehme das in den Massenmedien vorgefundene Material und komponiere. Wie man die Dinge in Beziehung setzt und geistig ordnet, kann jeder selbst entscheiden. Dort liegt unsere Freiheit. Es geht in den Collagen darum, wie die Dinge im Ganzen zueinander in Beziehung stehen. Da ich kleinste Bildteile aus populärem Materialien verwende, und die kleinsten Teile von Computerbildern „Pixel“ heißen, kann man meine Collagen vielleicht als „Neoromantischen Pixelpop“ bezeichnen. Ich bin eben einfach ein Romantiker.